Erste Reise

Noch in diesem Jahr eine Reise mit dem gerade erstandenen Boot, das wäre doch was.

Nach einigen kleinen Reparaturen und einer großen Aufräum- und Entsorgungsaktion haben wir unsere erste Reise geplant: Rügen Rund.

Im September 2018 hatten wir noch eine Woche Urlaub, die wollten wir nutzen und das Boot kennenlernen.

Am Samstag gegen Mittag machten wir die Leinen los, der erste Schlag sollte uns unter Maschine nach Barhöft bringen. Das Setzen der Segel haben wir sein gelassen; auf einem kleinen Probeschlag zuvor haben wir lernen müssen, daß man im Bodden mit einem Tiefgang von 1,40m nicht aus dem Fahrwasser kommen darf. Aber im Bodden hilft man sich immer, so wurden wir auch wieder rausgeschleppt.

Barth-Barhöft (13,5nm)

Vor Barhöft wimmelt es nur so vor Tonnen. Eine aktuelle Karte hilft hier den Weg durch die ganzen Tonnen aus dem Bodden-Fahrwasser in das Stela-Fahrwasser und dann gleich in das Barhöft-Fahrwasser zu finden.
In Barhöft gibt es einen Kiosk für die nötigste Versorgung und eine Tankstelle mit biofreiem Diesel. Der Hafenmeister ist sehr hilfsbereit.

Barhöft-Vitte (16nm)

Am nächsten Tag wurde zum endlich auch die Segel gesetzt. Morgens bei angenehmen Wind aus westlicher Richtung machten wir uns auf den Weg nach Vitte. Das Fahrwasser ist gut betonnt, der Verkehr hält sich um diese Jahreszeit in Grenzen.
Vor Vitte muß man dann nochmal nach Stb abbiegen. Die Zufahrt zum Yachthafen ist durch farbige Kanister gekennzeichnet.
Der Hafen war leer, es lagen nur wenige Schiffe in den Boxen.
Im Ort gibt es einen Geldautomaten, Einkaufsmöglichkeiten, Post und eine Reihe von Fischrestaurants.
Auf dem Weg zu dem einizigen Geldautomaten sind wir unserem Freund Alf begegnet. Alf war gerade auf dem Weg ins Winterlager nach Stralsund und wollte die Nacht auch hier verbringen. Er war in Eile, darum hatten wir uns für den nächsten Morgen bei uns an Bord verabredet.

Vitte-Lohme (25,2nm)

Nach dem Frühstück kam dann tatsächlich Alf an Bord. Wir haben so viel gequatscht, daß sich unsere Abfahrt um Stunden verzögerte. Somit sind wir dann erst gegen Mittag los gekommen. Und es sollte nach Lohme gehen. Das ist ein langer Schlag (25nm) um das Kap Arkona rum.
Kaum um das Kap rum, legte sich der Wind schlafen. Also Maschine an und auf Lohme zuhalten. Aber auch so wird die Strecke von gut 9nm lang. Lohme war aber nicht zu verfehlen, eine helle Stelle in der ansonsten dunkelgrün bewachsenen Steilwand zog uns regelrecht an. Irgendwo hier haben wir unseren Flaggenstock mit der Nationalen verloren. Platsch und weg war er.
Auch dieser Hafen war leer (wie alle weiteren Häfen auf dieser Reise auch).

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Der Sonnenuntergang mit um uns herumfliegenden Fledermäusen beendeten einen schönen Segeltag.

Lohme-Sassnitz (10,5nm)

Am nächsten Morgen brachen wir zeitig auf, der Hafenmeister riet uns erstmal eine Seemeile hinauszusegeln, damit wir nicht in das Gebiet des Nationalparks Jasmund gerieten.
Wir fuhren mit gebührendem Abstand an der gelb-orange leuchtenden Steilwand des Kaiserstuhls vorbei.
Sassnitz ist eine kleine Großstadt mit allem was der Segler und andere Menschen benötigen. Direkt am Hafen sind moderne Sanitäranlagen, Yachtausrüster, etc.
Der Wetterbericht für den kommenden Tag sagte ab Mittag eine Flaute voraus. Wir beschlossen darum, am nächsten Morgen bereits vor dem Sonnenaufgang die Leinen loszuwerfen und vor der Flaute in Thiessow anzukommen.
Den Abend genossen wir mit Abendessen und Bier im Cockpit, wir wollten früh in die Kojen.

Sassnitz-Thiessow (23,5nm)

Um Viertel vor Fünf klingelte das Handy uns wach. Katzenwäsche, Maschine an, Beleuchtung an und los. Ganz leise und langsam sind wir aus dem Hafen geschlichen.
In der Sassnitzbucht haben wir dann bei seichtem Wind aus West Segel gesetzt und sind in den Sonnenaufgang hinein gesegelt. Nur das Rauschen des Wassers war zu vernehmen.
Der Tag graute und die Sonne stieg am Horizont auf und wir näherten uns der Landspitze von Mönchgut Und damit auch dem gesuchten Fahrwasser. Dort sahen wir einen Schleppverband, der langsam nach NE fuhr. Unsere Einschätzung nach, wären wir noch vor ihm durch das Fahrwasser gekommen, um dann auf der anderen Seite die Kreuz nach Westen zu beginnen. Da kommt plötzlich eines der Begleitfahrzeuge auf uns zu und nimmt uns den freien Weg. Ein Sprecher machte uns deutlich, daß er uns nicht vor dem Schleppzug durch lassen wolle.
So kamen wir etwas unfreiwillig jetzt schon dazu, in den Greifwalder Bodden hineinzukreuzen auf engem Raum. Die Küste ist hier recht flach und der Raum zwischen Ufer und Fahrwasser nur wenige Kabel breit. Also haben wir den Kurs über Stb auf die Küste zu geändert. Auch hier gilt es, nicht zu dicht unter die Küste zu kommen, da hier das Naturschutzgebiet bis in Wasser reicht. Auf den Tiefenmesser wollten wir uns verlassen, darum wurden es immer kürzere Schläge. Nach sechs Wenden sahen wir endlich die Möglichkeit hinter dem Schleppverband das Fahrwasser zu queren.
Hier konnten wir bis um Landtief W ungestört segeln. Eine weitere Wende mit Kurs auf die Ansteuerung Karning und dann wieder nach E in die tiefe Bucht. Das Fahrwasser ist schmal und links und rechts ist das Wasser sehr flach. Am Ende ist der kleiner Hafen von Thiessow.

Thiessow-Dänholm/Stralsund (29nm)

Am nächsten Morgen war am Hafen ein Wochenmarkt, den wir nutzen um eine paar Vorräte aufzustocken. Mit Tomaten und Leberwurst ging es dann wieder los. Uns war klar, das wir bei immer noch westlichen Winden auch diesmal über den Bodden werden kreuzen müssen bis wir in den Strelasund einfahren können. Bis zur Ansteuerung Greifswald sind es gut 10nm.
Von da aus ging es dann mit ein paar Holeschlägen in den Sund. Auch im Sund muß gelegentlich gekreuzt werden.
Damit war dann auch unsere Vorausberechnung unser Ankunft an der Ziegelgrabenbrücke hinüber. In Sichtweite schloß sich die Brücke das letztmal für diesen Tag. Wir sind dann in den kleinen Hafen Dänholm Stb vor der Brücke eingelaufen.
Der Hafenmeister begrüßte uns persönlich am Steg.

Dänholm-Barhöft (11nm)

Der Wetterbericht meinte es wieder nicht gut mit uns. Diesmal sollte heute ein Sturm aufziehen. Aber trotzdem wollten wir bis Barhöft kommen.
Also auch hier frühzeitig hoch, ablegen und vor der Brücke auf die erste Öffnung des Tages warten. Der Wind blies kräftig aus südlicher Richtung, nur mit Groß und erstem Reff machten wir gute Fahrt bis Barhöft.
Der Hafenmeister begrüßte uns mit den Worten, wir sollten doch lieber eine zweite Vorleine an einer weiteren Boie festmachen. Der Wind nahm weiter zu, weitere Segler berichteten von noch nie gesehenen Wellen aus dem Sund kommen.
Wir hatten eine verregnete und stürmische Nacht im sicheren Hafen.

Barhöft-Barth (13,5nm)

Der nächste Morgen war immer noch windig aber nicht mehr stürmisch. Aber der Wind kam jetzt aus West, für den Weg nach Barth hieß das, Motor an und Segel unten lassen.
So sind wir dann am späten Vormittag losgefahren, haben uns die Tonnen vor Barhöft in den Bodden rein sortiert und sind gegen den Wind angefahren. Die Gischt flog teilweise nur so über das Deck, als Brillenträger war dadurch die Sicht regelmäßig eingeschränkt. Am frühen Nachmittag waren wir dann wieder in Barth angekommen.

Unsere erste Reise war damit auch beendet.

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